Wer bei der Wahl eines virtuellen POS-Terminals nur auf den Provisionssatz schaut, sieht Kosten und Risiken nur zur Hälfte. Klären Sie vor der Entscheidung neun Punkte: ob der Anbieter eine Bank oder ein von der türkischen Zentralbank zugelassenes Zahlungsinstitut ist, wie sich die Provision zusammensetzt, wann das Geld auf Ihrem Konto eingeht, wer die Kosten der Ratenzahlung trägt, ob 3D Secure unterstützt wird, welcher Händlerkategoriecode (MCC) Ihrem Unternehmen zugewiesen wird, wie Erstattungen und Rückbuchungen ablaufen, wie die technische Integration aussieht und welche Fixgebühren und Kündigungsbedingungen der Vertrag enthält. In diesem Beitrag erklären wir der Reihe nach, was Sie jeweils fragen sollten. Er bezieht sich auf den türkischen Markt und das türkische Recht. Wir vergleichen keine Sätze oder Anbieter; die Konditionen unterscheiden sich je nach Anbieter und Unternehmen und ändern sich häufig.
1. Wer ist der Anbieter: eine Bank oder ein lizenziertes Zahlungsinstitut?
Ein virtuelles POS-Terminal können Sie direkt bei einer Bank beziehen oder über ein Zahlungsinstitut nutzen. Beides ist legal, aber der Rahmen ist klar abgesteckt: Nach Art. 13 des Gesetzes Nr. 6493 über Zahlungs- und Wertpapierabwicklungssysteme, Zahlungsdienste und E-Geld-Institute sind Zahlungsdienstleister die Banken im Sinne des Gesetzes Nr. 5411, E-Geld-Institute, Zahlungsinstitute und die PTT (Posta ve Telgraf Teşkilatı A.Ş., die türkische Post). Derselbe Artikel bestimmt, dass andere Personen keine Zahlungsdienste erbringen dürfen.
Nach Art. 14 des Gesetzes darf ein Zahlungsinstitut nur mit Erlaubnis der „Bank“ tätig werden; mit „Bank“ meint das Gesetz die Zentralbank der Republik Türkei, TCMB (Art. 3). Laut Angaben der Zentralbank wurden diese Regulierungs- und Aufsichtsbefugnisse mit dem Gesetz Nr. 7192 von der Bankenaufsicht BDDK übernommen und sind seit dem 1. Januar 2020 bei der TCMB.
Praktische Prüfung: Bevor Sie mit einem Zahlungsinstitut zusammenarbeiten, prüfen Sie, ob es in der auf der Website der TCMB veröffentlichten Liste der tätigen Zahlungsinstitute steht und welchen Umfang seine Erlaubnis hat. Die Liste zeigt auch, für welche Zahlungsdienste die Institute zugelassen sind.
Die Wahl zwischen Bank und Zahlungsinstitut fällt meist anhand des Antragsverfahrens, der geforderten Unterlagen, der einfachen Einrichtung und der Zusatzleistungen (Zahlungslink, fertige Plugins, Ratenzahlung mit verschiedenen Karten über ein Dashboard). Welche Variante zu Ihnen passt, bewerten Sie zusammen mit den folgenden Punkten.
2. Provisionsstruktur: Was steckt hinter dem Satz?
Der im Angebot genannte Satz ist womöglich nur ein Teil der Gesamtkosten. Fragen Sie Zeile für Zeile nach, wie sich die Provision zusammensetzt:
- Gibt es neben der prozentualen Provision pro Transaktion eine feste Gebühr pro Transaktion?
- Gelten für Einmalzahlungen und Ratenzahlungen unterschiedliche Sätze? Wie ändert sich der Satz mit der Zahl der Raten?
- Hängt der Satz davon ab, wann das Geld auf Ihrem Konto eingeht (Valuta)? Gibt es einen eigenen Satz für frühere Auszahlung?
- Gelten für ausländische Karten, Firmenkarten oder verschiedene Kartenmarken andere Sätze?
- Wird die Provision bei Erstattungen und Stornierungen zurückgezahlt?
Lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben und berechnen Sie anhand Ihres eigenen Verkaufsmix (Anteil Einmal-/Ratenzahlung, durchschnittlicher Warenkorb) ein Beispiel für die monatlichen Kosten. Nur so lassen sich zwei Angebote nebeneinanderstellen.
3. Auszahlungsfrist (Valuta)
Das Geld aus einem Kartenverkauf geht nicht unbedingt sofort auf Ihrem Konto ein. Der Anbieter kann den Betrag eine bestimmte Zeit zurückhalten und erst dann überweisen; das nennt man Valuta- oder Sperrfrist. Für ein Unternehmen mit knappem Cashflow ist diese Frist so wichtig wie der Provisionssatz.
- Nach wie vielen Tagen geht das Geld bei einer Einmalzahlung auf Ihrem Konto ein?
- Wird der Betrag bei Ratenverkäufen auf einmal oder Rate für Rate überwiesen?
- Erfolgt die Überweisung automatisch, oder müssen Sie sie anfordern? Was passiert an Wochenenden und gesetzlichen Feiertagen?
- In welchen Fällen kann der Anbieter die Zahlung unter Verweis auf eine Risikoprüfung länger zurückhalten?
4. Ratenzahlung und wer die Kosten trägt
Ratenzahlung erleichtert besonders bei hohen Beträgen die Kaufentscheidung, hat aber ihren Preis. Diese Kosten tragen entweder Sie selbst, oder Sie schlagen sie auf den Preis auf und lassen den Kunden zahlen. Fragen Sie den Anbieter: Mit welchen Karten und bis zu wie vielen Raten kann verkauft werden, lassen sich die Ratenkosten an den Kunden weitergeben, und sieht der Kunde auf der Zahlungsseite den Gesamtbetrag jeder Ratenoption?
Für Ratenzahlungen gibt es in der Türkei auch eine gesetzliche Grenze. Laut dem von der BDDK (türkische Bankenregulierungs- und Aufsichtsbehörde) veröffentlichten Dokument „Kredi Kartı Taksit Sınırları ve Yasakları“ (Ratengrenzen und -verbote bei Kreditkarten) richten sich die mit Kreditkarte möglichen Ratenlaufzeiten gemäß Art. 26 Abs. 7 der Verordnung über Bankkarten und Kreditkarten nach der Waren- und Dienstleistungsgruppe; in bestimmten Ausgabengruppen wie Lebensmitteln, Kraftstoff und Telekommunikation sind Raten gar nicht möglich. Da diese Grenzen immer wieder durch Beschlüsse des Aufsichtsgremiums geändert werden, lesen Sie die aktuelle Fassung und lassen Sie sich von Ihrem Anbieter bestätigen, was in Ihrer Produktgruppe möglich ist.
5. Unterstützung von 3D Secure
3D Secure ist der zusätzliche Schritt bei Online-Kartenzahlungen, in dem die kartenausgebende Bank die Identität des Karteninhabers prüft. Der Kunde gibt beim Bezahlen meist einen Einmalcode seiner Bank ein oder bestätigt die Transaktion in der Banking-App. Dieser Schritt erschwert Transaktionen mit gestohlenen Kartendaten.
Zu fragen ist: Läuft das virtuelle POS-Terminal bei allen Transaktionen mit 3D Secure, oder können einige Zahlungen ohne Prüfung angenommen werden? Wer haftet, wenn eine ungeprüfte Transaktion später angefochten wird? Zeigt die Zahlungsseite den Prüfschritt auf Mobilgeräten reibungslos an?
6. MCC: In welcher Kategorie wird Ihr Unternehmen geführt?
Der MCC (Merchant Category Code, Händlerkategoriecode) ist der Code, mit dem Kartennetzwerke Händler nach ihrer Tätigkeit einordnen. Das Handbuch zu Händlerdatenstandards von Visa definiert den MCC als vierstellige Zahl, die zur Beschreibung der Haupttätigkeit des Händlers vergeben wird. Laut demselben Handbuch dienen diese Daten Zwecken wie Aktivitätsüberwachung, Berichtswesen und Risikomanagement, und die Zuweisung des richtigen MCC an jeden Händler liegt in der Verantwortung der Stelle, die den Händlervertrag abschließt (Bank oder Zahlungsinstitut).
Auch wenn Sie diesen Code nie zu Gesicht bekommen, ist er wichtig. Wird Ihr Unternehmen in einer anderen Kategorie als seiner tatsächlichen Tätigkeit geführt, können manche Transaktionen in der Risikobewertung der kartenausgebenden Banken hängen bleiben. Fragen Sie Ihren Anbieter bei der Antragstellung, welche Kategorie Ihrem Unternehmen zugewiesen wird, welche bei mehreren Tätigkeitsfeldern maßgeblich ist und ob diese Kategorie die Ratenoptionen beeinflusst, die Sie anbieten können.
7. Erstattung, Stornierung und Rückbuchung (Chargeback)
Fälle, in denen ein Verkauf rückgängig gemacht wird, sind die am wenigsten besprochene, aber zeitaufwendigste Seite eines virtuellen POS-Terminals. Unterscheiden Sie drei Situationen:
- Stornierung: Die Transaktion wird zurückgenommen, bevor sie abgerechnet ist. Geht das nur am selben Tag, über das Dashboard oder über die API?
- Erstattung: Der Betrag eines abgeschlossenen Verkaufs wird dem Kunden ganz oder teilweise zurückgezahlt. Sind Teilerstattungen möglich, wie funktioniert die Erstattung bei Ratenverkäufen, gibt es eine eigene Gebühr dafür?
- Rückbuchung (Chargeback): Der Karteninhaber fordert den Betrag über seine eigene Bank per Widerspruch zurück. Wie und innerhalb welcher Frist werden Sie benachrichtigt, wie viel Zeit haben Sie für Nachweise, wird pro Rückbuchung eine Gebühr erhoben, wird der Betrag während des Verfahrens gesperrt?
Bei Rückbuchungen hilft es, Lieferbelege griffbereit zu haben (Sendungsnummer, unterschriebenes Übergabeprotokoll, Korrespondenz, die die Erbringung der Leistung zeigt). Gewöhnen Sie sich von Anfang an, diese Belege mit dem jeweiligen Verkauf verknüpft aufzubewahren.
8. Technische Integration: API, Plugins, Zahlungslink
Selbst das virtuelle POS-Terminal mit den besten Konditionen nützt nichts, wenn es sich nicht an Ihre Website oder Ihre Abläufe anbinden lässt. Fragen Sie je nach Vertriebskanal:
- Website oder App: Gibt es eine dokumentierte API und eine Testumgebung? Wird für Ihre E-Commerce-Plattform ein fertiges Plugin angeboten?
- Verkäufe ohne Website: Können Sie Kunden, mit denen Sie sich am Telefon, per WhatsApp oder persönlich geeinigt haben, einen Zahlungslink senden? Lassen sich im Link Ratenoptionen anbieten und die Gültigkeitsdauer des Links einstellen?
- Buchhaltung und Reporting: Lässt sich die Transaktionsliste exportieren, und ist leicht zuzuordnen, welche Zahlung zu welcher Rechnung gehört?
Collobr arbeitet integriert mit den virtuellen POS-Terminals verschiedener Banken und Zahlungsinstitute; Sie können Ihren Kunden einen Zahlungslink mit Ratenzahlung senden. CRM- und Angebotsmodule befinden sich auf derselben Plattform.
9. Vertragsbedingungen: Fixgebühren, Mindestumsätze, Kündigung
Lesen Sie vor der Unterschrift alle Gebühren und Verpflichtungen außer dem Provisionssatz einzeln durch:
- Gibt es eine Einrichtungsgebühr oder eine feste jährliche oder monatliche Nutzungsgebühr?
- Gibt es ein monatliches Mindesttransaktionsvolumen oder eine Mindestprovision? Was passiert, wenn das Volumen nicht erreicht wird?
- Wie lange läuft der Vertrag, verlängert er sich automatisch, gibt es eine Kündigungsfrist und eine Vertragsstrafe?
- Kann der Anbieter Provisionssätze und Gebühren einseitig ändern? Wie und mit welchem Vorlauf werden Sie über Änderungen informiert?
- Wie lange werden bei Vertragsende ausstehende Beträge vor der Überweisung auf Ihr Konto und für mögliche Rückbuchungen gesperrt?
Fragen Sie vor der Unterschrift schriftlich nach, wenn Sie eine Klausel nicht verstehen. Weicht der Vertragstext von dem ab, was im Verkaufsgespräch gesagt wurde, gilt der Text, den Sie unterschrieben haben.
Zusammenfassende Checkliste
- Ist der Anbieter eine Bank oder ein Zahlungsinstitut auf der Liste der TCMB?
- Wie setzt sich die Provision nach Prozentsatz, Fixgebühr, Raten und Kartenart zusammen?
- In wie vielen Tagen und auf welchem Weg geht das Geld auf Ihrem Konto ein?
- Wer trägt die Kosten der Ratenzahlung, und sind Raten in Ihrer Produktgruppe möglich?
- Gibt es 3D Secure bei allen Transaktionen?
- Welcher MCC wird Ihrem Unternehmen zugewiesen?
- Sind Abläufe und Gebühren für Erstattung, Stornierung und Rückbuchung schriftlich festgehalten?
- Decken API, Plugins und Zahlungslink Ihren Bedarf?
- Sind Fixgebühren, Mindestumsätze und Kündigungsbedingungen klar?
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist weder Rechts- noch Finanzberatung. Für aktuelle Konditionen maßgeblich sind der Vertrag Ihres Anbieters und die offiziellen Quellen.
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Quellen
- Gesetz Nr. 6493 über Zahlungs- und Wertpapierabwicklungssysteme, Zahlungsdienste und E-Geld-Institute (Ödeme ve Menkul Kıymet Mutabakat Sistemleri, Ödeme Hizmetleri ve Elektronik Para Kuruluşları Hakkında Kanun), Art. 3, 13, 14
- TCMB, Überblick über Zahlungsdienste (Übertragung der Befugnisse mit Gesetz Nr. 7192, 1. Januar 2020)
- TCMB, Zahlungsinstitute (tätige Zahlungsinstitute und Umfang ihrer Erlaubnis)
- TCMB, Häufig gestellte Fragen: Zahlungsdienste
- BDDK, Ratengrenzen und -verbote bei Kreditkarten (Kredi Kartı Taksit Sınırları ve Yasakları; Verordnung über Bankkarten und Kreditkarten, Art. 26 Abs. 7)
- Visa Merchant Data Standards Manual (Determining Merchant Category Codes)